In der verbotenen Zone
Über LKWs und andere Schwergewichte in unserem Quartier
© Alle Fotos: Bürgerverein Untere Historische Bergstadt e. V.
Gleich am Eingang der Maternstraße steht es gut sichtbar: das runde Verkehrszeichen mit rotem Rand und dem schwarzen „3 t“ auf weißem Grund. Seine Botschaft ist eindeutig: Fahrzeuge mit einer zulässigen Gesamtmasse über drei Tonnen dürfen hier nicht einfahren. Ausgenommen sind Rettungsdienste, Polizei, Müllabfuhr, oder zum Beispiel Baufahrzeuge, die direkt im Quartier im Einsatz sind.
Doch wie viel sind drei Tonnen eigentlich? Bereits einige kompakte Lieferfahrzeuge und Sprinter nähern sich dieser Grenze deutlich an. Ein voll beladener Kleintransporter überschreitet sie schnell, auch wenn er äußerlich gar nicht nach Schwergewicht aussieht.
Und wenn wir noch größer denken: Ein ausgewachsener Elefant müsste vor Maternstraße und Sutte stoppen und sich einen anderen Weg durch die Stadt suchen. Vermutlich würden wir Anwohner dennoch beim Elefanten mehr Milde walten lassen als mit so manchem LKW. Denn zumindest im Fall des Dickhäuters können wir davon ausgehen, dass er das Verkehrsschild nicht lesen kann.

Irrlichternde Schwerlastzüge
Damit sind wir auch schon beim Anlass dieses kleinen verkehrserzieherischen Einwurfs. In kurzer Zeit hat sich bei den Anwohnerinnen und Anwohnern eine bemerkenswerte Sammlung von Fotos zusammengetragen: Brummis und verirrte Schwerlastzüge, die elefantengleich versuchen, Maternstraße (Maximalgewicht 3 t) und Sutte (5,5 t) zu durchqueren – nicht selten sogar in der falschen Richtung – um dann kläglich an den engen Kurven und Spitzkehren unseres Quartiers zu scheitern.
Warum das passiert? Ganz sicher lässt sich das nicht sagen. Manches Navi scheint eine eigene Vorstellungen von geeigneten Routen für LKWs zu haben. Dazu kommen Zeitdruck bei den Fahrern, Ortsunkenntnis und gelegentlich wohl auch schlicht Ignoranz. Begünstigt wird all das durch unglücklich platzierte Verkehrsschilder und die seltenen Kontrollen durch die zuständigen Behörden.
Szenen aus dem Verkehrsalltag in unserem Quartier
Fast täglich grüßt ein falschfahrender Laster. Nachfolgend einige Highlights unserer Fotosammlung, präsentiert in einem Imageslider.
Hier will man sein Kind nicht auf der Straße sehen
Für uns Bürger (und Touristen), die hier täglich zu Fuß oder mit dem Rad unterwegs sind, ist die Verirrung schwerer Fahrzeuge nicht nur ein Ärgernis, sondern eine reale Gefahr. Insbesondere in der oberen Maternstraße gibt es zwischen der Häuserzeile auf der einen und der mächtigen Mauer auf der anderen Seite keinen geschützten Raum.
Keinen Schritt Abstand, keinen Bürgersteig: Wer hier auf dem Weg ist, hat quasi keine Möglichkeit auszuweichen, wenn ein fehlgeleiteter Lastwagen um die Kurve kommt. Sofern der LKW denn durchpasst. Und auch in der oberen Sutte und insbesondere am Torschuster ist es kein Spaß. Das bestätigt auch die zuständige Fachbehörde, die unsere Straßen als empfindlich und für Schwerlastverkehr nicht ausgelegt einstuft.
Und ganz ehrlich, wir alle möchten nicht, dass unsere Kinder ihren Schulweg neben einem Sattellastzug bewältigen müssen, dessen schiere Präsenz einen buchstäblich an die Hauswand drückt.
Eine Last, die unsere Straßen nicht tragen sollten
Schwere Fahrzeuge bedeuten aber nicht nur Enge und Unsicherheit und sorgen für belastenden Lärm. Die tonnenschweren Fahrzeuge hinterlassen auch Spuren in unserem Quartier. Ihre Vibrationen schaden der historischen Bausubstanz, denn die alten Pflasterungen und Leitungen in Hanglagen reagieren empfindlich auf Erschütterungen. Hinzu kommt, dass Schäden an privaten Hausanschlüssen oder Fassaden in der Regel von den jeweiligen Eigentümern zu tragen sind. Denn solche Erschütterungsschäden lassen sich meist keinem einzelnen Verursacher eindeutig zuordnen und fallen damit faktisch in die Verantwortung der Betroffenen.
Die Rechnung ist also ganz einfach: Jeder vermiedene LKW schützt nicht nur die Menschen vor Ort, sondern auch die fragile mittelalterliche Infrastruktur unseres Weltkulturerbes. Zugleich sinken Unfallrisiken und der unnötige und ordnungswidrige Durchgangsverkehr wird reduziert, was die Lebensqualität im gesamten Viertel spürbar verbessert.
Lieber Stadtrat, es braucht die konsequente Durchsetzung der Verkehrsregeln, die in dieser verkehrsberuhigten Zone und bei einem klaren Durchfahrtsverbot für Fahrzeuge über drei Tonnen gelten. Das sollte für ein sicheres und lebendiges Miteinander in unserem Quartier doch machbar sein.






