Ortstermin mit dem künftigen Oberbürgermeister Sebastian Niedermaier
Sebastian Niedermaier war kurz nach der OB-Wahl in unserem Quartier unterwegs. Bei der Ortsbegehung ging es um die Zukunft des Torschusters, weniger Durchgangsverkehr und mehr Aufenthaltsqualität in der Unteren Historischen Bergstadt.
„Der Herr Niedermaier hat nach seiner Wahl zum Oberbürgermeister sicherlich Wichtigeres zu tun, als so kurz danach zu uns zu kommen“, dachten wir. Vermutlich war das auch so. Doch er kam trotzdem. Gut gelaunt – und mit dem E-Lastenrad.
Der Termin war einige Wochen zuvor eher spontan bei einem Gespräch am SPD-Wahlkampfstand vereinbart worden. Initiiert wurde er von unserem Bürgervereinsmitglied Barbara.
Nach dem motivierenden Besuch des Zweiten Bürgermeisters Jonas Glüsenkamp am Vortag folgte damit innerhalb von knapp 24 Stunden bereits der zweite Gedankenaustausch auf höchster stadtpolitischer Ebene, diesmal mit dem künftigen Oberbürgermeister.

Unser informeller Rundgang führte vom Tante-Emma-Laden am Michelsberg über die Michelsbergstraße zum Torschuster und anschließend weiter über die Maternstraße in die Sutte. Sebastian Niedermaier präsentierte sich dabei als aufmerksamer Zuhörer und brachte zugleich eigene Vorschläge ein.
Im Mittelpunkt des Rundgangs stand dabei – wie könnte es auch anders sein – die knifflige Frage, wie man die im Mittelalter angelegte Struktur des Weltkulturerbes bei uns im Quartier mit den steigenden Mobilitäts- und Aufenthaltsanforderungen des Jahres 2026 unter einen Hut bekommt.
Der Torschuster als Schlüsselstelle
Die Kreuzung am Torschuster bildete erneut den zentralen Haltepunkt. Für Sebastian Niedermaier ist die komplexe Verkehrslage aus eigener Erfahrung vertraut. Der tägliche Weg zur Schule mit einem seiner Kinder führt ihn regelmäßig durch dieses Nadelöhr. Entsprechend konkret fielen seine Beobachtungen aus.
Im Wahlkampf hatte Sebastian Niedermaier die im Verkehrsentwicklungsplan 2030 (VEP 2030) vorgesehene Abbindung des südlichen Torschusters ausdrücklich unterstützt und darauf verwiesen, dass diese Maßnahme umgesetzt werden sollte.
Der Bürgerverein zeigte sich davon ermutigt, dass Sebastian Niedermaier die Abbindung entsprechend seiner Wahlkampfaussagen sowohl anstoßen als auch voranbringen will. Zugleich machte er deutlich, dass für den finalen Umsetzungsbeschluss der Maßnahme eine Mehrheit im neu zusammengesetzten Stadtrat erforderlich ist.

Unter Praxisbedingungen erprobt
Der künftige Oberbürgermeister erinnerte zudem an die fast zweijährige Abbindung des südlichen Torschusters während eines umfangreichen Straßenbauprojekts. In dieser Zeit war der südliche Abschnitt bereits einmal abgebunden, der Verkehr wurde entsprechend umgeleitet.
Diese Phase lieferte praktische Erfahrungen unter realen Bedingungen. Trotz der Umleitung blieb die Verkehrssituation im Berggebiet insgesamt handhabbar. Auch die Gutachten zum VEP 2030 zeigen, dass die Abbindung zu einer wirksamen Entlastung führt und die zu erwartenden Verkehrsverlagerungen insgesamt beherrschbar bleiben. Beim Rundgang wurden diese Erkenntnisse daher als starkes Argument dafür herangezogen, dass die im VEP 2030 vorgesehene Abbindung des südlichen Torschusters auch in der Praxis funktionieren kann.

Begleitet wurde der designierte Bamberger Oberbürgermeister von seinem Parteikollegen Franz Ullrich. Der Gründer des Bamberger Büros „plan & werk“ ist Stadtplaner und Architekt und kam ebenfalls mit dem Fahrrad zum Termin. Während des Rundgangs suchte er immer wieder das Gespräch, brachte fachliche Einschätzungen ein und schärfte an mehreren Stellen den Blick auf städtebauliche Zusammenhänge.
Der Verkehr muss sich dem Quartier anpassen
Was uns während des Rundgangs noch einmal deutlich wurde: Da sich der Torschuster nun mal nicht verbreitern lässt und Sutte sowie Maternstraße sich nicht zweispurig ausbauen lassen, muss sich der Verkehr an den Bedingungen im Quartier orientieren – nicht umgekehrt. Gerade für Kinder auf dem Schulweg wird deutlich, wie wichtig eine übersichtliche Verkehrssituation ist.
Auf dem Weg zum Treffpunkt: Kurz vor dem Termin mit dem künftigen Oberbürgermeister Sebastian Niedermaier zeigte sich die Verkehrssituation am Torschuster exemplarisch. Fotos: Charlotte Moser
Auch wer weiterhin auf das Auto angewiesen ist, wird anerkennen, dass es an vielen Stellen des Weltkulturerbes schlicht zu wenig Platz gibt. Der vorhandene Raum muss daher so verteilt werden, dass alle Verkehrsteilnehmer sicher und gleichberechtigt unterwegs sein können. In den engen Straßen der Altstadt bedeutet das vor allem: mehr Raum für Fuß- und Radverkehr und ein stadtverträglicher Umgang mit dem Autoverkehr. Mit der konsequenten Umsetzung des beschlossenen VEP 2030 liegen dafür die notwendigen Instrumente bereits vor.
Zukunftsfähige Mobilität für das Quartier
Wenn wir unser historisches Erbe von Weltrang bewahren, stadtplanerische Defizite der jüngeren Vergangenheit heilen und gleichzeitig neue urbane Smart-City-Qualitäten schaffen möchten, dann bedeutet das den Ausbau des E-Busverkehrs, Priorisierung von Fuß- und Radwegen und die Einschränkung des motorisierten Individualverkehrs zugunsten eines stadtverträglichen, vernetzten Mobilitätssystems. Und da sind die zukünftigen Möglichkeiten der Künstlichen Intelligenz noch gar nicht mitgedacht.
Am Ende profitieren alle davon: die Bürgerinnen und Bürger Bambergs ebenso wie die vielen Gäste unserer Stadt. Wer einmal erlebt hat, wie entspannt eine rad- und fußgängerfreundliche Umgebung ist, möchte diesen Zustand nicht mehr missen. Die Älteren unter uns erinnern sich noch daran, dass Autos über die Obere Brücke fuhren und Feiern in der Sandstraße vom Durchgangsverkehr begleitet wurden. Für viele Jüngere wirkt diese Vorstellung heute nahezu absurd.
Verkehr weiter reduzieren durch Zusammenarbeit

Die im beschlossenen VEP 2030 vorgesehene Abbindung des südlichen Torschusters und die damit einhergehende Schleifenlösung ist daher der wirksamste Hebel für eine spürbare Entlastung der Unteren Historischen Bergstadt. Sie setzt dort an, wo die Probleme entstehen: beim motorisierten Durchgangsverkehr, der die engen Straßen als Abkürzung nutzt. Anwohner, Anliegerverkehr – also Fahrten zu Adressen innerhalb der Schleifenlösung – und Einsatzfahrzeuge bleiben weiterhin möglich, ebenso der Radverkehr.
Natürlich wissen auch wir beim Bürgerverein: Es ist gleichfalls wichtig, mit Verursachern des Verkehrs ins Gespräch zu kommen. Dazu zählen insbesondere größere Arbeitgeber im Umfeld unseres Quartiers, deren Pendlerverkehr einen spürbaren Anteil am Durchgangsverkehr ausmacht. Als Partner einer besseren Verkehrsorganisation können sie dazu beitragen, den Verkehr bereits am Ausgangspunkt zu reduzieren.
Gemeinsam entwickelte Mobilitätsangebote könnten den Verkehrsdruck zusätzlich mindern, ohne die Erreichbarkeit der Arbeitsstätten zu verschlechtern. Denkbar sind Jobtickets, abgestimmte Parkregelungen, betriebliche Mobilitätskonzepte oder neue Angebote im Umweltverbund. Im Idealfall wird der Weg zur Arbeit künftig noch mehr mit dem Job-E-Bike zurückgelegt und nicht mehr mit dem Auto durch unsere engen Straßen. Oder noch weiter gedacht: ein flexibler On-Demand-Mini-Bus. Natürlich elektrisch. Und intelligent vernetzt. Ideen, die gut zu den Ansätzen der Smart City Bamberg passen.

Jetzt geht es um die Umsetzung
Abseits dieser weiterführenden Perspektiven konzentrieren wir uns nun auf das, was wir als Bürgerverein unmittelbar beeinflussen können: die Verbesserung der Aufenthaltsqualität in unserem Viertel. Dazu gehört vor allem, den finalen Beschluss zur im Verkehrsentwicklungsplan 2030 vorgesehenen Abbindung des südlichen Torschusters im Stadtrat zu unterstützen. Je früher dieser gefasst wird, desto besser.
Umso mehr haben wir es geschätzt, dass wir als Bürgerverein Untere Historische Bergstadt zunächst mit dem amtierenden Zweiten Bürgermeister Jonas Glüsenkamp und kurz darauf mit Bambergs künftigen Oberbürgermeister Sebastian Niedermaier durch unser Quartier gehen konnten. Dass beide Bürgermeister so kurz nach der OB-Stichwahl persönlich vor Ort waren, hat uns schon beeindruckt. Ziemlich cool eigentlich.
Der Termin mit dem künftigen Oberbürgermeister Sebastian Niedermaier (SPD) und dem Stadtplaner Franz Ullrich (SPD) fand am Mittwoch, 26.03.2026, am frühen Abend statt. Neben den beiden Gesprächspartnern nahmen Mitglieder des Bürgervereins Untere Historische Bergstadt teil, vornehmlich aus dem Arbeitskreis Verkehr.
Die Aussagen aus dem Wahlkampf lassen sich auch im Original nachverfolgen. Die Fragerunde mit Sebastian Niedermaier und Jonas Glüsenkamp vom 13. März 2026 im Rahmen der Veranstaltung „Bewahrt die Bergstadt“ ist hier auf YouTube abrufbar (ab Minute 7:25)



